VortagDienstag 9 MärzFolgetag

Zerreißt euer Herz und nicht eure Kleider, und kehrt um zu dem Herrn, eurem Gott; denn er ist gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und groß an Güte.
Joel 2,13

Das Zerreißen der Kleider war im Altertum ein Brauch, durch den man seine äußerste Bestürzung im Zorn oder in der Trauer zum Ausdruck brachte. Solange das Herz dabei aufrichtig war, erkannte Gott es an.
Aber wie bei allen äußerlichen Handlungen, so bestand auch hier die Gefahr, dass man unaufrichtig handelte oder sich unbeherrscht gehen ließ. Deshalb war es zum Beispiel dem Hohenpriester verboten, seine Kleider zu zerreißen. Die Nähe Gottes, in der er lebte, ließ einen solchen Ausbruch menschlicher Gefühle nicht zu.
So ist es nicht schwer zu verstehen, was der etwas ungewöhnliche Ausdruck "zerreißt euer Herz" uns zu sagen hat. Umkehr zu Gott ist etwas, was man nicht äußerlich tun kann, sondern was tief in unserem Innern seinen Anfang nehmen muss: im Herzen.
Wenn ich mein bisheriges Leben betrachte und einsehen muss, dass es mich immer weiter von Gott wegführt, dem Abgrund entgegen, dann muss ich das Gott bekennen und mein ganzes verpfuschtes Leben aufrichtig vor Ihm verurteilen.
So etwas geht nicht ohne innere Not - es "bleibt nicht in den Kleidern hängen", wie man so sagt -, und genau das meint der Prophet Joel. Danach aber ist der Weg frei für den zweiten Schritt: "Kehrt um zu dem Herrn, eurem Gott." Beides gehört zusammen: Aufrichtiges Sündenbekenntnis und entschiedene Umkehr. Das ist "Buße", wie die Bibel sie lehrt.
"Buße" bedeutet also nicht das Ableisten äußerer Bußübungen - so etwas kennt die Bibel nicht. Das Heil wird dem Glaubenden aus Gnade von Gott geschenkt; niemand kann es sich verdienen.

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